Kann man Untreue vermeiden
Datum / Uhrzeit
- 21:30 Uhr
OrtKolpinghaus Bozen
Zielgruppeinteressierte Personen
Inhalt
Wurde man betrogen, stellt sich einem oft dir Frage, ob man die Untreue hätte verhindern können. Oder anders herum: Ist es meine Schuld, dass mich mein Partner betrogen hat?
 
An diesem Abend werden ReferentInnen zu diesem Thema Stellung nehmen, aus ihrer beruflichen Erfahrung erzählen und den anwesenden Personen Zeit und Raum für Fragen und Anmerkungen geben.
Referent/enFischnaller Sonja, Psychologin, Psychotherapeutin
Cominato Luca, Psychologe, Psychotherapeut
Agostinetto Monica, Psychologin, Psychotherapeutin
Beitragkostenlos
„Kann man Untreue vermeiden?“
Sonja Fischnaller, Psychologin und Psychotherapeutin
Mit einer moralischen Sicht auf das Thema, wird man ihm nicht gerecht. Es geht darum zu verstehen, warum Menschen untreu werden.
Wir werden heute viel älter als früher. Wir sagen in jungen Jahren „ja“ zum Partner, aber wir verändern uns im Laufe der Jahre.
 
Anfällige Zeiten
Es gibt für Frauen und Männer Zeiten im Leben, wo sie anfällig sind für Seitensprünge.
Bei Frauen ist das zwischen 40-45 Jahren. Das ist die Zeit, wo die Kinder meist aus dem Gröbsten raus sind oder gar aus dem Haus. Gleichzeitig erkennt die Frau eine gewisse Endlichkeit des Lebens. Meist konzentrieren sich die Frauen dann wieder auf einen Beruf oder Aktivitäten außer Haus. Dann treffen sie natürlich auf neue Menschen/Männer. Auch ist es so, dass in diesen Jahren die großen Projekte meist vollendet sind: Zusammenziehen, Hausbau, Familiengründung. Gemeinsame Projekte bringen Leben in eine Beziehung.
 
Anfällige Zeiten für Männer sind die frühen 50ger. Auch für sie stellt sich das Thema der Endlichkeit. Sie werden dann damit konfrontiert, dass sie noch einmal intensive Gefühle erleben wollen, raus aus der Routine. Sie wollen Abenteuer erleben. Dabei können sie durchaus ihre Frauen lieben und zufrieden mit der Ehe sein.
 
Das romantische Liebes-Ideal
Menschen, die dem romantischen Liebes-Ideal nachhängen, glauben, dass die Beziehung immer von Liebe und Glück getragen ist. Sie träumen vom idealen Partner. Der ideale Partner wird geheiratet, wird mit der Zeit aber dann zum realen Partner, mit all seinen Ecken und Kanten. Das ist oft der Zeitpunkt, wo so eine Beziehung auseinanderbricht. Um den Traum des romantischen Liebes-Ideal weiterhin zu verfolgen, wird die reale Beziehung beendet. Auch das ist eine Zeit, in der Untreue leicht geschieht. Die romantische Vorstellung beruht auf die Erfahrung von großen Gefühlen. Diese verändern sich aber mit der Zeit. Auch das Nachjagen dieser Gefühle ist ein Weg zur Untreue.
 
Unterschiedliche Bedürfnisse
Menschen haben widersprüchliche Bedürfnisse in sich selbst. Da ist die Sehnsucht nach Stabilität und Sicherheit und gleichzeitig der Wunsch nach Abenteuer und Pulsbeschleunigung. Da gilt es mit den unterschiedlichen Bedürfnissen umzugehen, in sich selbst und in der Beziehung. Oft werden Bedürfnisse auch verdrängt und kommen dann vehement zum Vorschein.
Jedes Gegenüber löst andere Resonanzen/Persönlichkeitsanteile in mir aus: Leidenschaft, Zärtlichkeit, Entspannung, Erregung usw. Wenn ich nicht alle Anteile in der Partnerschaft leben kann, sie aber leben will, ist Untreue ein Weg dazu. Hier ist es wichtig, wie das Paar mit den Unterschiedlichen Bedürfnissen umgeht.
 
Passive und aktive Treue
Es gibt diese Unterscheidung. Passiv Treuen kostet die Treue nichts. Sie haben nicht das Bedürfnis nach Abwechslung. Sie sind zufrieden. Sie haben kein sexuelles Verlangen nach anderen Frauen/Männer. Ihnen fällt die Treue leicht.
Aktiv Treuen kostet die Treue viel. Sie wissen um den Reiz des Abenteuers. Sie spüren die Verlockungen des anderen Geschlechts. Aber sie entscheiden sich treu zu sein.
 
 
Monica Agostinetto, Psychologin und Psychotherapeutin
Probleme in der Beziehung beginnen meist nach 10 Jahren. In der Anfangsphase der Beziehung sprechen die Partner noch über ihre Gefühle, man fühlt sich gewertschätzt vom anderen und es gibt viele romantische Gefühle. Mit der Zeit hören die Partner auf über ihre Gefühle zu sprechen. Die Romantik geht im Alltag unter. Man redet nur mehr über Organisatorisches. Man verliert den Bezug zum Innenleben des Gegenübers. Es wird zu wenig Energie in die Beziehung eingebracht. Überall wird Einsatz und Bemühen gezeigt, aber für die Beziehung oft nicht. So ist der Weg für Seitensprünge geebnet.
 
Paare haben verschiedene Zyklen
In den unterschiedlichen Zyklen ist man unterschiedlich anfällig für Untreue. Solche Krisenzeiten sind: 
Wenn die Kinder noch ganz klein sind und der Mann sich nicht beachtet fühlt. 
Wenn die Kinder in der Jugend sind und das Paar wieder mehr Zeit für sich hat und nicht weiß was es mit sich anfangen soll.
Wenn die Kinder aus dem Haus sind und das Paar wieder alleine ist. Dann sehen die Paare oft keine Zukunft mehr für sich und Langeweile tritt ein.
 
Über Krisen reden
Darüber, dass es einem oder beiden Partner in der Beziehung zurzeit nicht gut geht, wird oft nicht gesprochen. Dann verliert das Paar den Kontakt zueinander, sie sehen sich nicht mehr. Das ist gefährlich. Wenn Paare ihre Krisen zum Thema machen würden, dann könnten sie sich besser wahrnehmen und vielleicht leichter damit umgehen. Es braucht im Allgemeinen mehr Kommunikation in einer Beziehung. Man muss darüber reden können, dass es einem nicht gut geht. 
 
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